E-Scooter auf Gehwegen werden wohl doch nicht erlaubt

Schaut man sich aktuell die Nachrichten an, bei denen es um E-Scooter geht, so handeln diese meist von der Angst vor E-Scootern auf Gehwegen. Überall gibt es Aufschreie, die E-Scooter auf gar keinen Fall auf Gehwegen zu erlauben, da es in der Folge zu vielen Unfällen kommen könnte.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat jetzt dem Druck nachgegeben und angekündigt, dass die geplante Erlaubnis zum Fahren der E-Scooter auf Gehwegen aus der Verordnung herausgestrichen wird. Hierzu kurz meine Meinung.

Was sagt die geplante Verordnung zu E-Scootern auf Gehwegen?

Laut der geplanten Verordnung sollte es bisher erlaubt sein, dass E-Scooter mit einer maximal möglichen Geschwindigkeit von 12 km/h auf Gehwegen fahren dürfen. Dies sollte auch Fahrern ab einem Alter von 12 Jahren gestattet sein.

Die Rede ist hierbei nicht von den schnelleren E-Scootern, die mit einer Geschwindigkeit von bis zu 20 km/h fahren können. Denn diese sollen sowieso nur auf Fahrradwegen oder auf der Straße fahren dürfen.

Wir reden hier somit nur von den langsameren E-Scootern mit einer Geschwindigkeit von bis zu 12 km/h. Wohlgemerkt gibt es diese in dieser Form bisher noch gar nicht, denn so langsame E-Scooter wurden noch gar nicht gebaut.

In der Gesetzsprechung geht man von einer Schrittgeschwindigkeit von 5 km/h bis 15 km/h aus. Insofern wäre man mit einem E-Scooter mit einer Geschwindigkeit von 12 km/h mit Schrittgeschwindigkeit auf dem Gehweg unterwegs.

Mit 12 km/h wäre man etwas schneller als eine normal gehende Person. Man würde also an ihr gemächlich vorbeifahren, sofern man sie überholt.

Wer darf auf Gehwegen fahren? Hier mal zwei Beispiele:

  • Mein kleiner 4-jähriger Sohn rollert mit seinem Laufrad auch gut und gern über 10 km/h schnell. Wenn er mal gerade nicht aufpasst, springe ich ihm hinterher, damit er nicht gegen ein parkendes Auto fährt oder der nächsten Person hinten in die Hacken. Kein Problem, denn das ist auf dem Gehweg erlaubt.
  • Auch meine 8-jährige Tochter fährt mit ihrem Kinderroller oder Kinderfahrrad wesentlich schneller und kann dabei auch schon mal Geschwindigkeiten von 20 km/h erreichen. Auch das ist auf dem Gehweg erlaubt.

Auch der klassische Cityroller darf und muss sogar auf dem Gehweg fahren. Das gilt auch für Skateboards, Inline Skates, usw. Diese gelten als „besondere Fortbewegungsmittel“. Wer damit unterwegs ist gilt als Fußgänger. Mit diesen darf man also nur auf Gehwegen fahren. Auf keinen Fall darf man damit auf dem Fahrradweg oder der Straße fahren.

Auch mit diesen besonderen Fortbewegungsmitteln kann man 12 km/h oder schneller fahren. Unfälle sind auch hier denkbar und kommen vor. Logik? Fehlanzeige!

Die Schwachsinnigkeit der Klassifizierung der Verkehrsmittel nach Gerätekategorien am Beispiel des S-Pedelecs

Ganz ehrlich, ich habe mich schon damals darüber gewundert, als man den S-Pedelecs die Fahrt auf dem Fahrradweg verwehrt hat. Wer ein S-Pedelec fährt, muss auf der Straße fahren. Vollkommen egal, wie schnell man tatsächlich mit seinem S-Pedelec unterwegs ist.

Der Motor eines S-Pedelecs unterstützt einen beim Treten bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Nun nimmt man in der Gesetzgebung scheinbar an, dass man als Fahrer eines S-Pedelecs immer und überall wie ein Bekloppter mit dieser selbstmörderischen Geschwindigkeit unterwegs ist.

Wer einmal S-Pedelec gefahren ist, weiß allerdings, dass das in den seltensten Fällen der Fall ist. Selbst auf der Straße wird man in den seltensten Fällen mit dieser Geschwindigkeit unterwegs sein. Vielmehr wird man so um die 25 km/h bis 35 km/h auf einer freien Straße fahren. Denn 45 km/h sind gerade in der Stadt schon extrem schnell. Wer nicht gerade lebensmüde ist, wird in den seltensten Fällen mit dieser Geschwindigkeit fahren. Zumal auch das Erreichen dieser Geschwindigkeit mit einem S-Pedelec anstrengend ist.

Aber selbst wenn man mit seinem S-Pedelec nur ein wenig entspannt mit 15 km/h vor sich hinradeln möchte, muss man auf die Straße. Immer. Überall. Ganz egal, wie groß und gefährlich die Straße ist. Der Fahrradweg ist für Fahrer eines S-Pedelecs tabu!

An dieser Regelung erkennt man die Schwachsinnigkeit.

Mit einem Speedbike oder Rennrad kann man auch extrem hohe Geschwindigkeiten erreichen. Und auch mit meinem normalen Pedelec kann ich Geschwindigkeiten von bis zu 45 km/h auf dem Fahrradweg erreichen. Ich muss mich dafür nur etwas mehr anstrengen. Aber mit diesen Fahrrädern darf man auf dem Fahrradweg fahren. Warum? Das verstehe ich nicht. Wo ist die Logik dieser Regelung?

Und bei den E-Scootern wird jetzt wieder genau der gleiche Fehler begangen. Doch wie könnte man es besser machen?

1. Möglichkeit: Man könnte anhand der Geschwindigkeit regulieren

Man könnte z. B. alles anhand der Geschwindigkeit regulieren. So könnte man etwa sagen,

  • dass auf dem Gehweg maximal 10 km/h in Schrittgeschwindigkeit gefahren werden darf,
  • auf dem Fahrradweg hingegen mit bis zu 25 km/h und
  • wer schneller fahren will, muss eben auf die Straße ausweichen.

Das wäre meiner Meinung nach eine logische Regelung. Diese Regelung könnte für alle Fortbewegungsmittel gelten und wäre für jeden einfach und verständlich nachzuvollziehen.

Dann bräuchten wir auch gar nicht den ganzen Quatsch mit der Begrenzung der E-Scooter auf 20 km/h (wodurch diese auf der Straße ein gefährliches Hindernis sind) und S-Pedelecs könnten auch problemlos auf dem Fahrradweg mit angepasster Geschwindigkeit fahren.

Bei E-Scootern könnte man dafür sogar drei Geschwindigkeitsstufen integrieren. Die meisten E-Scooter haben diese Funktion sogar bereits. Und damit es auch kontrollierbar ist, könnte eine kleine Lampe am E-Scooter anzeigen, in welchem Modus man sich gerade befindet: grün für den Gehweg, orange für den Fahrradweg und rot für die Straße. Das würde jeder verstehen und wäre problemlos kontrollierbar.

Aber so viel Sachverstand darf man scheinbar von der Politik nicht erwarten.

2. Möglichkeit: Man schafft mehr Platz für E-Scooter, Fahrräder und Co.

Eine weitere logische Möglichkeit wäre einfach mehr Platz für Fahrräder und andere neue Mobilitätsformen zu schaffen.

Volksentscheid Fahrrad in BerlinIn Berlin gab es so vor einiger Zeit mit dem Volksentscheid Fahrrad eine Petition, bei der mehr als 100.000 Unterschriften zusammen kamen, welche mehr Fahrradwege in Berlin forderten.

Das war im Jahr 2016. Die aktuelle Regierung in Berlin versprach hier entsprechend zu handeln. Gut zwei Jahre später wurde dann sogar ein entsprechendes Gesetz zur Förderung des Radverkehrs beschlossen. Gefühlt ist seitdem allerdings nicht wirklich viel passiert.

Dabei gibt es andere Länder und Städte, in den es vorbildlich geht. Hierzu gehört beispielsweise Kopenhagen, welche als fahrerfreundlichste Stadt der Welt gilt. Hier findet man einige gute Ideen am Beispiel von Kopenhagen, was man in deutschen Städten besser machen könnte.

Wird man mit dem E-Scooter auf Gehwegen fahren dürfen?

So wie es aussieht, wird es keine Fahrerlaubnis für E-Scooter auf Gehwegen geben. Stattdessen wird man aller Voraussicht nach nun doch nur die E-Scooter mit einer Maximalgeschwindigkeit von 20 km/h fahren dürfen.

Sofern es keinen Radweg gibt, wird man auf die Straße ausweichen müssen und wird dort mit seinen langsamen 20 km/h und der schmalen Silhouette zu einem Problem.

Im Übrigen wird man so auch nicht mit einer Fahrerlaubnis für andere Elektrokleinstfahrzeuge auf Gehwegen rechnen dürfen. Denn die Erlaubnis für die E-Scooter mit den 12 km/h auf Gehwegen war eigentlich dafür gedacht, um später in weiteren Erlassen anderen Elektrokleinstfahrzeugen den Weg in die Legalität zu ebnen. Hierzu zählen beispielsweise Hoverboards, E-Skateboards, Onewheels, Monowheels und Co.

Man kann nur hoffen, dass im Laufe der Zeit weitere Anpassungen an den Regelungen für E-Scooter mit Straßenzulassung stattfinden. Wenn ich mir allerdings die Situation der S-Pedelecs anschaue, dann habe ich da wenig Hoffnungen.

Wie seht ihr das? Seid ihr auch für ein pauschales Verbot von E-Scootern auf Gehwegen und fürchtet Unfälle? Ich würde mich über eure Meinung freuen.

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3 Antworten

  1. … das ist halt Deutschland mit seinem Regulierungswahn.

    Damit verschwindet sukzessive der gesunde Menschenverstand, welcher mir und sicherlich vielen anderen sagen würde, die Geschwindigkeit der aktuellen Situation auf dem Gehweg anzupassen. Vermutlich gibt es in der heutigen Zeit aber auch einige, welche dies ausreizen könnten und dann sind 12 Km/h doch weit weg von der Schrittgeschwindigkeit. Einfach mal aufs Laufband und 12 Km/h einstellen…
    Gegenseitiger Respekt und die Achtung anderen Mitbürger gegenüber lässt in unserer „ICH“ Gesellschaft leider zu wünschen übrig, hier hilft allerdings auch kaum regulierend einzugreifen.
    Das gleiche Problem haben wir doch auch in vielen anderen Bereichen,… möchte nur das Thema Drohne erwähnen.

    Ich glaube allerdings der Aufschrei ist größer als die Nachfrage!
    Kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich „motorisierte“ Tretroller mit max. 12 Km/h und ab 12 Jahre flächendeckend und langfristig durchsetzen würden.
    Da wo dieser als motorisierte Variante wirklich interessant wäre ist das Fußgängeraufkommen meist recht hoch und somit die 12 Km/h real auch schwer umsetzbar. Und die Zielgruppe ab 12-Jahre, sicher auch noch etwas ältere, haben doch andere Ambitionen als ein so schwach angetriebenes Gefährt zu nutzen. Da könnten Sie doch mit dem üblichen trendigen Tretrollern preiswerter, ohne Akkumanagement und möglicherweise :-) auch schneller unterwegs sein. Am Ende ist das Teil auch noch leichter…

    Gruß André

    1. Hallo André,

      ich hätte gerade die E-Scooter mit 12 km/h ganz interessant für kleinere Strecken gefunden, also quasi für die letzte Meile, wenn man mit diesen auf den Gehwegen hätte fahren können. Von mir bis zum nächsten Bahnhof ist es zu Fuß etwas weit. Und leider gibt es auf einem Teil der Strecke keinen Fahrradweg. Und die Straße ist sehr schmal und alle fahren wie die Verrückten. Da möchte ich ungern auf der Straße mit einem E-Scooter fahren, um ehrlich zu sein.

      Aber ich gebe dir auch Recht in der Hinsicht, dass wir in einer sehr „Ich“-bezogenen Gesellschaft leben. Rücksichtnahme findet man leider immer seltener.

      Trotzdem könnte man alles viel besser lösen. Man müsste einfach mal von alten Denkmustern und Verhaltensweisen abrücken und neue Ideen vorantreiben. Früher war auch alles anders.

  2. Hallo Christian,

    Okay,… hatte ich so nicht eingeschätzt.
    Auf der Straße würde ich allerdings auch nicht mit dem E-Scooter fahren wollen, da würde ich lieber auf dem Gehweg „schieben“, zumindest wenn der Teilabschnitt nicht zu groß ist.

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